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FDP, WTF?

21. Februar 2012

Da lag ich wohl im letzten Beitrag kräftig daneben, das kann man nicht anders sagen. Aber wer hätte denn auch mit so einem Kamikaze-Manöver von Fast-Drei-Prozent gerechnet. Das auch noch glückte, vorerst. Eine meiner Behauptungen stimmte also: Dass es spannend werden würde. Und vielleicht wird sich auch eine weitere Aussage bestätigen: Die SPD kann nur verlieren – auch wenn sie erst einmal ihren Kandidaten durchsetzen kann, wird der ihnen noch auf die Füsse fallen. Und Merkel wird es wieder gelingen, eine Niederlage, eine Kehrtwende zu ihrem Vorteil zu drehen. Das hätte ja international auch niemand nachvollziehen können, einen Koalitionsbruch weswegen? Ach, ihr habt einen Präsidenten? Die Frau, die Europa regiert, kann sich solche Petitessen nicht leisten, Gauck aber kann sie sich leisten.

Ob Gauck sich Gauck leisten kann, ob und was für ein Präsident er wird, ob wir zu viele Mecklenburger mit kirchlichen Hintergrund an der Staatsspitze haben, all das gibt es jetzt überall zu lesen. Wenn man ganz genau ist, kommt Merkel ja aus Hamburg. Aber ganz ehrlich, ich hätte nichts gegen einen ehemaligen Mecklenburger Pastor, so um die siebzig, der in Rostocker Neubaugebieten Gemeindearbeit machte, von der Stasi observiert und drangsaliert wurde und ein wichtiges Mitglied der Opposition war, als Bundespräsidenten. Ich meine allerdings Heiko Lietz, nicht Joachim Gauck, gegen den hab ich schon was. Aber Lietz ist der Bürgerrechtler, als der Gauck gerne dargestellt wird und sich durchaus auch selbst darstellt, und deshalb würde kaum jemand auf die Idee kommen, ihn ins Gespräch zu bringen.

Zum Thema “Wahl”, Wulff-Abgang und Kür des Kandidaten der Herzen könnte man ein schönes Pamphlet darüber verfassen, was jetzt genau nochmal der Unterschied zwischen Pop und Politik war. Im Jemen ist die Auswahl an Präsidentschaftskandidaten derzeit genauso gross wie hierzulande. Das Hauptthema des zukünftigen Staatsoberhaupts scheint ja auch schon festzustehen: Freiheit. Da kann ich ja hier mit einem schönen August-Bebel-Zitat enden, an dem sich die SPD vielleicht eher orientieren sollte als an Gauck:

Die “Freiheit” war eine hübsche Sache, wenn man sie allein genießen konnte und sicher war, dass die unten sie gegen die oben nicht benutzen würden. [...] So wurden die “idealen” Ziele fein säuberlich eingepackt und nur bei besonders feierlichen Gelegenheiten, wie Wahlen und dergleichen, aus der Rumpelkammer hervorgeholt, sauber abgestäubt und dem verdutzten Volk damit bewiesen, dass man noch immer wie früher denke…

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