:Dumm gelaufen, :Düsseldorf?
Düsseldorf hat also 150.000 Euro für die Entwicklung eines Stadtmarketing-Logos ausgegeben, das vorher schon in ähnlicher Form für Dubrovnik verwendet und ebenfalls als Vorschlag für eine Tourismus-Kampagne Dänemarks bei einem Werber-Wettbewerb eingereicht (und prämiert) wurde. Nun hat die Stadt – in diesem Fall die verantwortliche Agentur BBDO Proximity – mit einem neuen Plagiatsvorwurf zu kämpfen (was macht eigentlich das Schavan-Verfahren?), der naturgemäß erst mal relativiert wird. Das Umland nutzt die sich bietende Gelegenheit, die ungeliebte Landeshauptstadt mit Hohn und Spott zu bedenken, zu Recht natürlich.
Interessanterweise regt sich kaum jemand über die Summe an sich auf: Für ein nicht abgekupfertes Logo (samt Kampagne dazu, schon klar) wären 150.000 Euro also okay? Ganz zu schweigen vom Sinn einer solchen Aktion überhaupt: Es ist schliesslich Werbung, fängt man erst mal an, darüber wirklich nachzudenken, kommt man ganz schnell in die Bredouille. Aber es gehört sich nicht, diese 30 Mrd. Euro-Branche zu kritisieren, schliesslich geht es dabei auch um Arbeitsplätze, nicht zu vergessen die Abhängigkeit unserer Medien und Kultur von den Einnahmen, die durch Werbung generiert werden.
Stadt- und Regionalmarketing mit originellem Logo sind ja spätestens seit der Bonner Kussmund-Kampagne aus den 70ern ein Muss. Die Schöpferin dieser Idee bekam damals übrigens 10.000 DM, und auch das neue, ungeliebte Bonner Logo kostete laut Express “nur” 30.000 Euro. Heute ist dieser ganze Wahnsinn gar nicht mehr wegzudenken: “Land der Frühaufsteher”, “Wir können alles…” und natürlich das unsägliche “Be Berlin” – fast so gut wie “Du bist Deutschland”, was ja im Übrigen auch geklaut war…
Doch glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass nur wegen einem witzigen Spruch bzw. Logo die Leute ihren Urlaub in Berlin, Düsseldorf oder München verbringen? Oder dass Unternehmen entscheiden, “Be Berlin” ist so ein doller Claim, da setzen wir die Messe doch lieber in der Hauptstadt an statt in Frankfurt, scheiss auf die gute Fluganbindung? Nein, nein, nein – aber darum geht es auch gar nicht: Das Einzige, was zählt, ist die Aufmerksamkeit – dass darüber gesprochen wird. Und dass das offizielle Briefpapier nicht mehr ganz so sehr nach 50er Jahre-Amtsstube aussieht. In diesem Sinne kann Düsseldorf das “:D” durchaus als Erfolg verbuchen. Entscheidungen werden jedoch weiterhin aufgrund von Fakten getroffen, für den Privaturlaub beispielsweise: Ist das Wetter gut? Gibt es einen schönen Strand? Ist der Alkohol billig? Bürgerkrieg? Bei Wirtschaftstreffen zählen natürlich auch Infrastruktur-Faktoren wie Verkehrsanbindung und Verfügbarkeit von Prostituierten.
Keine Frage, dass sich auch der “renommierte Journalist und Agenturinhaber” Wolfgang Osinski alias osi auf seinem Düsseldorf-Blog mit dem Thema beschäftigt, schliesslich ist er nicht nur selbst Unternehmer in der Branche, sondern auch im örtlichen Wirtschaftsforum und Marketingclub für PR verantwortlich. Er kennt sich also aus, mag man denken. Die Essenz seines Beitrags im Original-Wortlaut [Titel: "Diskussion um Düsseldorfs Smiley-D wird sachlicher", auf Verlinkung wird verzichtet]:
Für den Marketing-Club Düsseldorf ist essentiell, dass dieses Logo mit dem damit verknüpften Maßnahmenbündel eine breite Plattform haben wird. Will sagen: Es reicht nicht, das Logo auf städtischem Briefpapier oder dem der Messe zu verwenden. Das Wesen des Stadtmarketing ist es, bestimmte Botschaften zu penetrieren. Das geht nur mit dem Einsatz von Werbegeldern in nicht unbeträchtlichem Umfang. Wenn damit Düsseldorf eine Imageverbesserung erzielen kann, lösen sich vielleicht auch Probleme, die SPD und Grüne offensichtlich nicht wahrnehmen bzw. nicht in Verbindung mit der Imagekampagne zu sehen in der Lage sind: etwa, dass Düsseldorf unter jungen Topführungskräfte als unattraktiv gilt.
Über welch geschliffene Sprache dieser Meister des Marketing doch verfügt: Ein Logo, das eine breite Plattform haben wird, Penetrierung von Botschaften – und wer bei dem letzten Satz nicht merkt, dass hier ein Profi am Werk ist, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen… Die jungen Topführungskräfte würde ja gerne in Scharen in die Stadt strömen, wenn es nur eine vernünftige Imagekampagne gäbe!
Eigentlich erstaunlich, dass der feine Herr Osinski trotz des Feilens an so ausgeklügelten Wortkonstruktionen noch Zeit für seine “DeutschlandWoche” hat. Dort gibt es gerade einen total informativen und ausgewogenen Beitrag über die Griechenland-Rettung zu lesen (“Wieder Abnickappell im Bundestag”). Aufgrund seines tadellosen Rufs konnte er die “Bürger-Aktivistin Beatrix von Storch (Zivile Koalition)” für einen dreisten lobbyistischen Bettel- und Hetzbrief eine Stellungnahme gewinnen. Wirklich bewundernswert, dieser osi – mit so einem vielfältig interessiertem und aktivem Kommunikationsprofi braucht sich Düsseldorf ja eigentlich keine Sorgen mehr um die Aussendarstellung machen….
Edit:Typos

